9. Januar 2013

[Rezension] Er ist wieder da

Titel: Er ist wieder da
Autor: Timur Vermes
Verlag: Eichborn
Genre: Satire
Seiten: 400
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Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel.

66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere - im Fernsehen.

Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und "Gefällt mir"-Buttons.(Quelle Eichborn Verlag)

Ich persönlich habe mit Satiren wirklich keine Probleme. Allerdings fand ich es bei "Er ist wieder da" ein bisschen grenzwertig, dass das Thema Judenvernichtung auch aufgegriffen wurde. Das passierte gegen Ende und plötzlich hatte ich ein schlechtes Gefühl beim Lesen. Ich habe in der 10. Klasse eine Jahresarbeit zu dem Thema Judenverfolgung/-vernichtung erstellt und mich dadurch intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Und so Leid es mir tut: Das ist nicht witzig und wird es auch nie sein. Da das Thema auch nur in 3-4 Sätzen vorkam, hätte man es auch wirklich ohne Probleme weglassen können.

Abgesehen von diesem Fauxpa kann man das Buch wirklich genießen. Es ist so herrlich Gesellschaftskritisch. Herr Hitler versteht so einfache Sachen nicht, die für uns einfach schon alltäglich sind. Zum Beispiel: Warum laufen auf den ersten beiden Sendern zur gleichen Zeit Kochshows? Und warum schreit auf dem nächsten Sender eine "Meendi" ihre Mutter an?

Sehr lustig fand ich auch die Artikel einer deutschlandweit bekannten Tageszeitung, die zwischendurch im Buch gedruckt sind. Ich lese und kaufe diese Zeitung nicht und fand es köstlich wie Hitler diese "Journalisten" an der Nase herumführt.

Mir ist aufgefallen, dass ich beim Lesen die ganze Zeit einen kleinen Hitler im Ohr hatte. Gerade wenn er im Buch eine Rede hielt, hat Timur Vermes den Schreibstil so angepasst, dass man wirklich das Gefühl hat, dass Hitler gerade vor einem steht und einen Vortrag hält.
Man merkt auch, dass Timur Vermes für dieses Buch sehr gut recherchiert hat. Wenn der Führer an damals denkt, habe ich immer das Genau-so-war-es-Gefühl bekommen.

Man muss sich wirklich auf dieses Buch einlassen. Ganz ohne nachdenken. Einfach lesen. Es kann lustig sein, aber der Humor wird nicht Jedermann ansprechen. Auch wenn es schockierend ist, wie schnell Hitler in der heutigen Gesellschaft wieder Sympathiepunkte sammeln könnte.



4 von 5


Kommentare:

  1. hach ja... Buch oder Hörbuch... Das ist hier die Frage ;-)

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    1. Hatte ich ja auch überlegt, aber die Hörprobe hat mich nicht so überzeugt :D

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  2. Steht auch auf meiner Wunschliste und ich muss sagen, dass ich bisher hin- und hergerissen war, weil ich mir nicht sicher war, ob das Buch nicht zu "grenzwertig" angegangen wird.

    Aber das was Du berichtest liest sich gut, da werde ich es mir wohl doch noch kaufen!

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  3. Ganz ehrlich? Ich verstehe nicht, warum man sich jetzt auch noch als Satire-Buch mit diesem Herrn beschäftigen sollte. Vielleicht bin ich dafür zu schweizerisch, aber die Besessenheit, mit der sich Deutsche (ja, jetzt werde ich pauschal) über Hitler lustig machen müssen, ist mir unverständlich. Im letzten Jahr bin ich dreimal ins Kabarett gegangen, es war dreimal ein buntes, sehr unterhaltsames Programm - aber es gab auch dreimal einen Sketch über Hitler. Was soll das? Nun auch noch in Buchform: definitiv nichts, was ich lesen werde. Lasst doch Hitler endlich mal Geschichte werden!

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    1. Du hast mir und meinem Freund gerade ein Diskussionsthema gegeben.
      Ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht, warum wir so besessen von Hitler sind.

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    2. Ich finde es gut, dass dieses Thema immer mal wieder aktuell ist, denn das hindert die Leute daran diese schrecklichen Dinge zu vergessen und wird ihnen hoffentlich eine Lehre sein. Ich denke, ich werde dem Buch eine Chance geben.

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    3. Klar dürfen diese Dinge nicht vergessen werden, aber Witze über die Judenvernichtung und den auslösenden Kopf dahinter finde ich jetzt eine ziemlich geschmacklose und überflüssige Art der Erinnerung. Und Satire ist zwar auch eine Möglichkeit, Schrecken zu verarbeiten, aber irgendwie fürchte ich, wenn man Hitler derart flächendeckend als Witzfigur darstellt, wird der Terror in der Wahrnehmung der Leute irgendwann vom Lächerlichen überlagert...

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    4. Wir sind uns glaub ich alle in dem Punkt einig, das Witze über die Judenvernichtung geschmacklos sind.

      Und ob man über Hitler lachen darf oder nicht wird immer Thema sein. Bei meiner Internetrecherche habe ich mir zig Diskussionen, Interviews und Artikel durchgelesen und eine richtige Antwort gibt es nicht.

      Zusammegefasst kann man sage. "Wenn Hitler lächerlich gemacht wird, darf man über ihn lachen. Über seine Opfer jedoch nicht."
      http://www.gutefrage.net/frage/darf-man-ueber-hitler-lachen (Interessante Diskussion)

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    5. Mir geht es ja nicht darum, ob man über Hitler lachen DARF (warum auch nicht?), sondern ich begreife einfach nicht, warum man ständig über ihn lachen SOLLTE. Zumindest liegt den massenhaften satirischen Witze doch diese Erwartungshaltung zugrunde - und tatsächlich findet jeder noch so geschmacklose Hitlerwitz ein grölendes Publikum. Als zwinge irgendwas die Leute dazu, sich mit Hitler wieder und immer wieder neu zu befassen (und dann ist Humor zugegebenermassen hilfreich, mit dem Schrecken dahinter fertig zu werden). Man darf die Vergangenheit nicht vergessen, aber könnte man sie nicht im Alltag ruhen lassen?

      Und ja, ich habe diese Diskussion schon mehrfach mit deutschen Freunden geführt (und mit vielen Schweizer, die mein Befremden teilen), aber ich versteh es einfach immer noch nicht...

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    6. Also in dem Buch lacht man eigentlich nicht über Hitler, sondern über unsere heutige Gesellschaft, die Hitler dem Leser aus seiner Sicht zeigt.

      Der Leser begleitet Hitler bei seinem erneuten "Aufstieg" und stellt bald fest, das wir zwar immer sagen "Sowas könnte nie wieder passieren" aber im Grunde wäre es doch möglich. Dabei ist die Geschichte aber nicht übertrieben dargestellt. Zum Beispiel fordert Hitler in dem Buch die Menschen auf einen Hitlergruß zu machen und dann machen sie das auch. Erst lachen sie drüber, irgendwann ist das normal für sie.

      Aaaah es ist schwer das zu beschreiben, was ich denke :D

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    7. Natürlich tauchen dabei auch witzige Bemerkungen von Hitler auf.

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    8. Ich würde auch sagen, ohne das Buch gelesen zu haben, eine Satire ist nicht zum Lachen da. Eine Satire ist ganz streng definiert eine "Spottdichtung, die Zustände oder Missstände in sprachlich überspitzter und verspottender Form thematisiert". Manchmal braucht es diese Form, um überhaupt auf bestimmte Dinge aufmerksam zu werden. Satire soll zum Nachdenken, Überdenken anregen.
      Warum man sich als Deutscher immer noch und immer wieder mit Hitler beschäftigt? Ich denke, dass es an der Vergangenheit liegt. Hitler gehört zum dunkelsten Teil der deuschen Vergangenheit und noch heute fühlt man sich vielleicht schuldig , dass das geschehen konnte(wobei es hier auch noch tausend andere Ansätze gibt). Damit es nicht nochmal passiert, hält man diese Erinnerung auf unterschiedlichste Weise aufrecht. Dass es immer wieder, in Abstufungen oder nicht, passieren kann, das ist bei einem Blick auf die Gesellschaft absolut denkbar. Hitler hat zu seiner Zeit einen ganz bestimmten Nerv der Gesellschaft getroffen...was er gemacht war nicht gut, aber er war sehr schlau. Und heute fehlt der Gesellschaft auch so einiges, eine Person "HItler" könnte also wieder verführen. Okay...

      Ich weiß selber nicht, ob ich das Buch lesen möchte, denn ich fühle mich auch immer schnell unangenehm berührt. Wenn es aber wirklich gut geschrieben ist, so wie du erzählst, finde ich es gut, dass es da ist. Aber ich vermute, einfach lesen ohne nachdenken würde bei mir nie klappen :o)

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    9. Genau diese Frage, ob es heute wieder passieren könnte, empfinde ich aber als großes Tabu. Ich habe in der Diskussion mit deutschen Freunden zweimal die These in den Raum gestellt, dass Hitler auch in anderen Ländern möglich gewesen wäre, denn Antisemitismus war damals wirklich weit verbreitet, da war auch die Schweiz keine rühmliche Ausnahme. Beide Male wurde die Diskussion sofort abgewürgt, als ob die schiere Möglichkeit als Entschuldigung oder Ausrede ("ist halt einfach die menschliche Natur") für die vergangenen Gräueltaten der Nazis dienen könnte. Dieser Gegensatz zwischen "man darf die Vergangenheit nie vergessen" und "man darf die Nazis nicht verallgemeinern, weil sie sonst entschuldbar wären" finde ich einfach scheinheilig. Und nein, ich pauschalisiere jetzt nicht unreflektiert, diese Debatte ist als "Historikerstreit" von deutschen Professoren mit allen akademischen Waffen geführt worden und (in Deutschland) immer noch nicht entschieden. Und das finde ich gefährlich, denn wenn man den Holocaust als Singularität betrachten, verkennt man, dass totalitäres und menschenverachtendes Gedankengut leider universell auftreten können.

      Ich persönlich würde mir wünschen, dass man zwar nie vergessen darf, wozu der Mensch fähig ist, wenn man ihn geschickt manipuliert, aber dass man nach fast siebzig Jahren die Geister der Vergangenheit endlich ruhen lassen könnte. Leute, statt alte Geschichten immer wieder durchzukauen, konzentriert euch doch endlich auf die Probleme der Gegenwart, denn davon gibt es genug!

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  4. Hach, ich weiß ja immer noch nicht, ob das etwas für mich ist, auch, wenn es interessant klingt.. :D
    Ist das eigentlich Zufall, dass wir dieselben Überschriften bei Rezensionen haben, mit "Inhalt","Meine Meinung" und "Fazit"? ^^ Falls nicht, wäre es schön gewesen, wenn du mich vorher gefragt hättest..

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    1. Nein! Wie krass ist das denn? Ich dachte, als ich deinen Kommentar gelesen habe, dass du nur die Bezeichnung meinst, aber die Schrift ist ja auch gleich!!!

      Ich habe das "Fazit", "Inhalt" und "Meine Meinung" wirklich nicht geklaut!
      Deinen Blog habe ich ja auch erst vor wenigen Tagen entdeckt und die Überschriften benutze ich schon etwas länger.

      Habe mir damals mehrere schöne Schriften aus dem Internet gesucht, die in Paint installiert und ausprobiert. Diese fand ich am schönsten.

      Irgendwie finde ich das jetzt lustig, faszinierend und doof zugleich :D Was für ein krasser Zufall!

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    2. Ach und ich kann meine Zwischenüberschriften für zukünftige Rezensionen verändern.

      Das ist ja schnell gemacht :)

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    3. Oh nein, dann tut mir das leid! Du musst das natürlich nicht ändern. Ich hatte nur wirklich nicht geglaubt, dass das so ein krasser Zufall sein könnte, aber scheinbar kann es wohl doch sein. :D Finde ich jetzt auch ein bisschen witzig, aber wie gesagt, lass das ruhig so, ich hab ja kein Patent drauf. Außerdem änder ich das eh mal öfter. Sorry nochmal!

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    4. Ist ja überhaupt nicht schlimm :D
      Ich hätte vermutlich auch so reagiert ;)

      Ich wollte die Überschriften aber sowieso mal ein bisschen aufpeppen. Das sehe ich jetzt mal als Zeichen, dass es Zeit wird :D

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    5. Okay, das beruhigt mich.. :D
      Ja, ich meine auch, aber das Schlichte mag ich auch gern :) Wie gesagt, wegen mir brauchst du es jetzt nicht ändern!

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    6. Okay, das beruhigt mich.. :D
      Ja, ich meine auch, aber das Schlichte mag ich auch gern :) Wie gesagt, wegen mir brauchst du es jetzt nicht ändern!

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  5. Eine wirklich aufschlussreiche Rezension. Ich hatte auch überlegt, ob ich mir das Buch kaufen soll, aber ich glaube das wäre nichts für mich. Auch ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt und viele Bücher darüber gelesen...ich glaube ich würde es nicht so komisch nehmen können!
    Bin aber froh deine Rezension gelesen zu haben. Jetzt weiß ich, dass es nicht meins ist!
    Liebe Grüße

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    1. Da bin ich ja froh, dass ich dir helfen konnte :)

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  6. Hej,

    Gerade heute habe ich mich wieder mit einigen Freunden über dieses Buch unterhalten. Da stellte sich auch gleich die Frage: Ist es gut? Oder ist es dann doch etwas zu weit gegangen? Und vor allem: Hörbuch oder Print-Ausgabe zum selbst lesen?

    Danke dir für deine Rezension und die ausführliche Meinung. Ich kann mir eigentlich schon vorstellen, dass es was für mich sein könnte, aber du magst recht haben. Es trifft wirklich nicht jedermanns Humor. Aber ich denke, ich werde es mir doch einmal kaufen. Wann ist nur die Frage, wie so oft beim Bücherkauf und dem leider dazu fehlendem Geld.

    Liebe Grüße
    Jojo

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    1. Das Buch ist mit knapp 20 € auch wirklich nicht gerade günstig.

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  7. Ich habe das Buch heute meiner besten Freundin gekauft,
    einfach mal so für zwischendurch, weil ich weiss, dass ich
    ihr damit eine kleine Freude machen konnte.
    Als ich bei ihr war über Silvester, ( sie wohnt an die 250km von mir entfernt) haben wir davor gestanden und es war ihr für die 20€ auch zu teuer, aber manchmal muss man darüber
    einfach hinweg sehen, wenn man seine beste Freundin ein wenig zum Lächeln bringen will. ( auch wenn sie mir dafür ein "Bist du doof?", an die Birne geschmissen hat xD)
    Aber ich bin gespannt, wie sie es findet und danach werde ich es dann sicherlich auch mal lesen.
    Deine Rezension klingt jedenfalls klasse, hat mich gefreut, sie zu lesen.

    LG Shou

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  8. Das ist nicht witzig und wird es auch nie sein. Da das Thema auch nur in 3-4 Sätzen vorkam, hätte man es auch wirklich ohne Probleme weglassen können.

    Abgesehen von diesem Fauxpas kann man das Buch wirklich genießen.

    Das ist nicht wirklich ein einmaliger 'Fauxpas'. Eigentlich ziehen sich durch das ganze Buch Witze, bei denen einem das Lachen im Hals stecken oder zumindest ein fader Beigeschmack bleibt.
    Aber das ist so gewollt und soll zum Nachdenken anregen. Unter anderem gerade über die Grenze zwischen 'noch lustig' und 'nicht mehr lustig'.
    Und ich finde, DAS hat er prima hinbekommen.

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